Struensee – der voreilige Aufklärer

StruenseeEine politische Lesart des Shakespearischen Hamlet lässt erkennen, dass vor einiger Zeit das Dänische Königreich viel mächtiger als England aussah. Norwegen war in Dänischem Besitz und Dänemark konkurrierte mit den Schweden und der Hansa um die Kontrolle der Nord- und Ostsee. Eine der Enklaven, die Dänamark auf deutschem Boden besaß, war Altona, ursprünglich ein Fischerdorf auf Holsteiner Grafschaft das sich seit dem 17. Jahrhundert unter Dänischer Obhut befand. So wurde es auch 1713 von Schwedischen Kräften überfallen und Haus um Haus verbrannt. Doch etwas später bauten es die Dänen wieder auf, wegen seiner wichtigen Lage am rechten Ufer der Elbemündung, genau vor dem Hamburger Hafen.
In Altona wurde immer noch Deutsch gesprochen als im 18. Jahrhundert dort ein Arzt aus Halle auftauchte, Namens Johann Friedrich Struensee (1737-1772). Er wurde berühmt durch seine Hingabe und seinen Leistungen in der medizinischen Versorgung vieler Erkrankter von tödlichen Seuchen, die angeblich Handelsschiffe vom Orient mitbrachten. Auch war er bekannt geworden als fortschrittlicher Ideenträger und Verbreiter der Werke von Voltaire und Diderot.
Nach dem Tode des dänischen Königs Frederik V. ersteigt sein Sohn Christian VII.den Thron, wenige Wochen bevor er 17 Jahre alt wird. Die Veranlagung seines Charakters, die Unstabilität seines Gefühlslebens und einige Ansätze von Geistesschwäche gestatten es ihm nicht, zu regieren. Die Verwaltung der Staatsgeschäfte bleibt also in den Händen eines Staatsrates, unter Aufsicht und Regentschaft seiner Stiefmutter Juliane-Marie, die Witwe des verstorbenen Königs Frederik. Aus dynastischer und politischer Zweckmäßigkeit wird Christian VII., kurz nach Besteigung des Thrones, der Ehemann der fünfzehnjärigen Prinzessin von Wales Caroline-Matilde, die Schwester des britischen Königs Georg III. Weiterlesen