Wi snackt Platt Lektion 31-35

Plattdeutsch
Wi snackt Platt

Lektion 31: Pluralbildung

„Mehr“ ist ein Wort, das immer wieder zu Höchstleistungen antreibt: mehr Geld, mehr Macht. Bei der Mehrzahlbildung gibt es im Hochdeutschen mehrere Möglichkeiten, im Plattdeutschen aber noch mehr. So verändert sich in einigen Fällen bei der Mehrzahl das Wort nicht: „Een Fisch – twee Fisch, een Stück – dree Stück“. Häufig wird ein „-en“ oder „-n“ angehängt: „Een Straat – veele Straten, een Appel – veer Appeln.“ Dabei wird der harte Laut machmal am Ende weich: „De Tiet – de Tieden.“ Eine andere Wortverlängerung wird mit „-er“ gebildet, zusätzlich wird manchmal aus einem langen „o“ ein „ö“: „Een Ei – teihn Eier, dat Book – de Böker.“ Schließlich wird einfach ein „-s“ angehängt: „Een Deern – twee Deerns, een Jung – dree Jungs.“ Die Veränderung des Selbstlautes ist eine weitere Pluralbildung: „Een Boom – veele Bööm, een Schipp – veele Scheep, een Dag – twee Daag.“ Bei Wörtern, die auf „-nd“ enden, wird in der Mehrzahl ein „-nn“ daraus: „Een Kind – twölf Kinner, een Hand – twee Hannen.“ Schließlich gibt es noch die Pluralbildung mit „-lüüd“: „Seelüüd und Muerlüüd sünd meist Mannslüüd, keen Fruunslüüd.“(Gro) 
Lektion 31: Pluralbildung [MP3, 2,12 MB]

Lektion 32: Possessiv-Pronomen

Mein und Dein zu unterscheiden lernen wir von Kindesbeinen an. Denn wer das nicht kann, gerät recht schnell in Konflikt mit seinen Mitmenschen. „Mein Auto, mein Haus, meine Yacht, mein Pool!“: wer so auftrumpfen kann, glaubt dass er es geschafft hat. Natürlich gibt es auch im Plattdeutschen die Possessiv-Pronomen, die zur Klärung der Besitzverhältnisse erforderlich sind. „Ik – mien, du – dien, he – sien, se – ehr, dat – sien, wi – us, ji – jo, se – ehr“. Als ich einmal mit einem befreundeten Bauer durch seine Felder ging, um seine Ernte zu bestaunen, kam promt mit einer ausholenden Geste der Satz: „All mien!“. Bescheidener und sympathischer klingt dann schon: „Wat mien is, schall uk dien ween.“ Damit werden aber wohl viele überfordert sein. Ganz alltäglich heißt es dann: „Mien Vadder geiht mit sien Fro in us Goorn spazeern.“ „An us Strand hebbt vele Lüüd ehr Badtüüch an, un ji sitt in jo Strandkorf“. Wenn jemand auf Plattdeutsch ganz deutlich herausgestellt haben möchte, wem etwas nun gehört, dann sagt er mit Nachdruck: „Dat is mien sien!“ oder „Dat is dien sien!“ Dann ist das ja schon mal geklärt! (Gro) 
Lektion 32: Possessiv-Pronomen [MP3, 1,94 MB]

Lektion 33: Obst und Gemüse

Die meisten Obst- und Gemüsesorten lassen sich aus dem Hochdeutschen gut übersetzen, und sind durchaus verständlich, wenn sie auf Platt“ ausgesprochen werden.

Dor gifft dat ‘n ganzen Barg von, watt wi kennt un ok bi uns op ‘n Disch kummt. Ik will nun mol ‘n poor uptelln. Appelsina, Appel, Beer, Plumm, Brommelbeer, Zitroon, Kiwi, Kassbeer (Kirsche), Eerdbeer, Stickbeer, Jehannsbeer, Banan. To dat Grööntüüch (Gemüse) hört Bohn, Arft, Gröönkohl, Sellerie, Wuttel, Swattwuttel, Rotkohl, Bruunkohl, Wittkohl, Spargel, Kantüffel, Petersill, or Linsen. (jm) 
Lektion 33: Obst und Gemüse [MP3, 1,29 MB]

Lektion 34: Präpositionen 1

Wer mit wem ein Verhältnis hat, ist für manche höchst interessant. Um darüber eine Aussage machen zu können, in welcher Beziehung Personen, Sachen, Orte oder Zeiten zueinander stehen, brauchen wir die Präpositionen, auf Deutsch Verhältniswörter, auch im Plattdeutschen. „Dat Auto steiht op de Straat. De Voss löppt dör dat Holt. De Deern geiht mit den Jungen. Ik speel gegen di Football. He is vör mi an de Reeg.“ Im Hochdeutschen fordern Präpositionen entweder den Genetiv, den Dativ oder den Akkusativ, auf ein Verhältniswort in Platt folgt immer der 4. Fall (Akkusativ). Das kann inhaltliche Mißverständnisse ergeben: „Ik gah in dat Water“ kann heißen: „Ich gehe in das Wasser (Richtung)“, aber auch „Ich gehe im Wasser (Ort). Vermeiden kann man diese Doppelbedeutung durch eine Ergänzung zum Verb: „Ik gah in dat Water rin. Ik loop ünner de Brügg dör“. Im Hochdeutschen wird oft Präposition und Artikel zusammengezogen: in dem – im, an das – ans, zu der – zur. In Platt wird der verkürzte Artikel mit einem Apostroph angehängt: „Ik gah in’t Water. De Voss löppt dör’t Holt. Ik kaam nu to’n Sluss“. (Gro) 
Lektion 34: Präpositionen 1 [MP3, 2,04 MB]

Lektion 35: Präpositionen 2

Ein Verhältnis zwischen zwei Personen kann manchmal schwierig oder spannend oder besonders sein. So gibt es auch bei den Verhältniswörtern im Plattdeutschen einige Besonderheiten. Wenn ich mich irgendwo hin begeben will, sage ich im Hochdeutschen bei Personen „zu“: Ich gehe zu meinem Freund, bei Orten oder Gebäuden „nach“: Ich fahre nach Bremen. Im Plattdeutschen sagt man immer „na“: Ik loop na Huus, ik fohr na Oma, ik gah na den Koopmann. Für die Präposition „zwischen“ gibt es in Platt zwei Wörter: „mank und twüschen“. Wenn es sich um eine größere Anzahl handelt, sagt man: „Ik stah mank de Lüüd.“ Handelt es sich aber nur um zwei Dinge oder Personen, heißt es: „He sitt twüschen de Stöhl.“ Schließlich gibt es noch Redewendungen und feststehende Verbindungen, bei denen die Verhältniswörter eine weitergehende und besondere Bedeutung haben. Er singt gerade: „He is an’t Singen“. Er hat es bald geschafft: „He is dor bald mit dör.“ Plattdeutsche sind stets verlässlich: „Dor kannst op af“. Un wenn een beter platt snacken kann as ik, den segg ik: „He is mi över.“ (Gro) 
Lektion 35: Präpositionen 2 [MP3, 1,67 MB]

Quelle:  Nordsee-Zeitung