Wi snackt Platt Lektion 51-53

Plattdeutsch
Wi snackt Platt

Lektion 51: Steigerung der Adjektive

Adjektive zeichnen sich dadurch aus, dass man sie steigern kann. Die Steigerung selbst geschieht wie im Hochdeutschen und dem Englischen in zwei Stufen, dem Komparativ und dem Superlativ. Der Komparativ wird in der Regel dadurch gebildet, dass die Endsilbe -er an das Adjektiv angehängt wird: lütt – lütter. Der Superlativ wird gebildet durch an’n …….sten: an’n lüttsten. Es gibt wie im Hochdeutschen Adjektive, bei denen wird im Komparativ und Superlativ zu a, o und u auch der jeweilige Umlaut (ä, ö und ü) gebildet. Beispiel: jung, jünger, an’n jüngsten. Außerdem gelten die Regeln der lautlichen Angleichung. So wird in der Flexion aus -nd im Auslaut ein -nn- im Inlaut: gesund – gesünner – an’n gesünnsten. Gerät ein stimmloser Konsonant durch die Flexion zwischen zwei Vokale, so wird er stimmhaft gesprochen und auch so geschrieben: wiet – wieder – an’n wietsten. In einzelnen Fällen verändert sich ein langer Vokal in der Steigerung zu einem kurzen Vokal: groot – grötter – an’n gröttsten. Einige Adjektive bilden ihre Steigerungsstufen, indem sie auf andere Wortstämme zurückgreifen: goot – beter – an’n besten; veel – mehr – an’n meisten; geern – lever – an’n leefsten (cd) 
Lektion 51: Steigerung der Adjektive [MP3, 2,31 MB]

Lektion 52: Plattdeutsches Liedgut

„Wo de Nordseewellen trecken an den Strand“, „Dat Du mien Leevsten büst“ or „Herrn Pastor sien Kauh“. Plattdeutsche Lieder gibt es wie Sand am Meer und werden auch gerne von Hochdeutschen mitgesungen, ohne dass die alles verstehen. „Lütt Matten, de Haas“, ist ebenso bekannt wie „An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüdelband“. Wer das Lied nicht kennt, hier der Text:

An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband
in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees,
wenn he blots nich mit de Been in´n Tüddel kümmt,
un dor liggt he ok all lang op de Nees.
Un he rasselt mit´n Dassel op´n Kantsteen,
un he bitt sick ganz geheurig op de Tung,
As he opsteiht, seggt he: hett nich weeh doon,
ischa ´n Klacks för ´n Hamborger Jung

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun.
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.

An de Eck steiht ´n Deern mit´n Eierkorf
in de anner Hand ´n groote Buddel Rum.
Wenn se blots nich mit de Eier op dat Plaaster sleit,
un dor seggt dat ok al lang „bum bum“.
Un se smitt de Eiers un den Rum tosomen,
un se seggt „so’n Eiergrog den hebb ik geern“
as se opsteiht, seggt se: „Hett nich weeh doon,
ischa´n Klacks för´n Hamborger Deern

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien. (cd) 
Lektion 52: Plattdeutsches Liedgut [MP3, 1,51 MB] 

Lektion 53: Wer spricht Plattdeutsch?

Noch sprechen 2,6 Millionen Menschen in Norddeutschland Plattdeutsch. Vor 25 Jahren waren es allerdings noch doppelt so viele. Dabei ist zu beobachten: Auf dem Dorf wird mehr Platt gesprochen als in der Stadt. In Küstennähe ist Platt verbreiteter als im Binnenland. Ältere sprechen mehr Platt als Jüngere. Frauen sprechen mehr Platt als Männer.
Die Zahl der Platt-Versteher ist drei Mal so hoch wie die der Platt-Snacker. Plattdeutsch wird gerne gehört. Die Bereitschaft selbst Platt zu sprechen ist natürlich höher, wenn im direkten Umfeld (Eltern, Großeltern, Verwandte) bereits Platt gesprochen wird.
„Sprache kann ganz schnell verloren gehen“, sagte Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) vor Kurzem. „Wir befürchten zwar nicht, dass die niederdeutsche Sprache ausstirbt. Wir müssen aber etwas dafür tun, dass junge Leute sagen, Plattdeutsch ist cool.“
Neben Norddeutschland gibt es in der ganzen Welt noch plattdeutsche Sprachinseln, zum Beispiel in Polen, der Slowakei, in Dänemark, mehreren Staaten der einstigen Sowjetunion, in Nord- und Südamerika, Australien und Südafrika. Nach 1945 sind durch die Kriegsfolgen die niederpreußischen und hinterpommerschen Mundarten praktisch verschwunden. (cd) 

Lektion 53: Wer spricht Plattdeutsch? [MP3, 1,99 MB]

Quelle:  Nordsee-Zeitung

Encuentro del Stammtisch todos los viernes / Stammtischtreffen jeden Freitag - 17:30 - Primacy Apart Hotel , Santa Fe 2464, Mar del Plata

Wi snackt Platt, Du ok?

Plattdeutsch

snackt Platt

Kreis Cuxhaven. Die Erst- und Zweitklässler spielen, tanzen, singen, lesen, sagen Gedichte auf und sind auch in der sechsten Unterrichtsstunde noch gut drauf. Die Nordholzer Grundschüler lernen Plattdeutsch. Ehrenlandrat Martin Döscher aus Köhlen ist Zuhörer und von der Idee, aber auch vom Unterricht selbst begeistert. „Dat gefallt mi“, sagt er. Damit die herrliche Sprache wieder mehr Menschen Freude macht, startet die NORDSEE-ZEITUNG einen Plattdeutsch-Kursus. Von Jürgen Malekaitis

Spielerisch lernen die Nordholzer Grundschüler Plattdeutsch sprechen. Ehrenlandrat Martin Döscher (rechts) hört interessiert zu. Foto jmWenn man über Plattdeutsch redet, fallen einem sofort zwei Namen ein, Ina Müller, Moderatorin und Sängerin, und eben Ehrenlandrat Martin Döscher, der seine Reden eigentlich durchweg auf Platt hält. Vielleicht rein zufällig kommen beide aus Köhlen.

„Im dritten Schuljahr beginnen die Kinder mit dem Englischunterricht. Wenn beides unterrichtet und gesprochen wird, kommt schon mal so einiges durcheinander“, erläutert der Nordholzer Schulleiter Georg Schillmöller. Wenn es dann heißen soll „he hett dat sehn“, kommt aus dem Kindermund oft „hi häst dat sehn“. Deshalb beginnen schon die Erst- und Zweitklässler in der Platt-AG mit dem Unterricht.

„Plattdüütsch verstohn, könnt veele, Plattdüütsch snacken al weniger, bi ’t Plattdüütsch lesen ward dat swor, un Plattdüütsch schrieven, ist ne Kunst för sik“, erläutert Döscher vor den Kindern. Noch sprechen 2,6 Millionen Menschen in Norddeutschland Plattdeutsch. Vor 25 Jahren waren es allerdings noch doppelt so viele. Allerdings: Die Zahl der Platt-Versteher ist drei Mal so hoch wie die der Platt-Snacker.

Los geht es im Kindergarten
Den Unterricht gestaltet Marita Spinck aus Spieka. Sie wird unterstützt von Katherina Schulz, einer Lehrer-Anwärterin, die gerade ein Studienseminar für Plattdeutsch in Cuxhaven absolviert. „Eene interessante Sprook, de veel Leven in sik bargt“, meint die angehende Lehrerin. So sitzen gleich vier Generationen in der Runde, die perfekt Platt sprechen oder es lernen wollen. „In Spiek lehrt de Jungs und Deerns in ’n Kinnergoorn dat Plattsnacken“, erzählt Marita Spinck. Sie sind somit „vorbelastet“, haben zweifellos Vorteile. „Etwa 40 Prozent unserer Kinder aus den beiden ersten Klassen nehmen freiwillig an der Plattdeutsch-AG teil“, freut sich Schulleiter Schillmöller, der aus dem Oldenburgischen kommt und natürlich auch Plattdeutsch spricht.

Mit einem kleinen Gedicht wird der Ehrenlandrat von den Kindern begrüßt. „Moin, leeve Lüüd, wi snackt Plattdüütsch hüüt; wi wöllt dat probeern, denn Platt möcht wi geern.“

„Dat hebbt ji goot mookt“, lobte Döscher, „overs ik wunner mi, dat hier blots een Jung in joe Runde mit dorteihn Kinner sitt“, sagte der Ehrenlandrat. „Das hat verschiedene Ursachen, beispielsweise läuft parallel eine andere AG, an der die Jungen teilnehmen. Ansonsten hält sich das Verhältnis in etwa die Waage“, erläutert Spinck den Mädchenüberhang.

„Eltern, die selbst kein Plattdeutsch sprechen, kommen zu mir und wollen, dass ihre Kinder die niederdeutsche Sprache erlernen“, berichtet der Nordholzer Schulleiter. Das motiviert die Lehrkräfte zusätzlich.

Schillmöller erläutert den Beginn des Plattdeutschunterrichts: „Zunächst bekommen die Kinder einen Zettel mit einem kurzen plattdeutschen Text in die Hand. Damit gehen die Jungen zu den Eltern, Großeltern oder Nachbarn, die den Text lesen und übersetzen. Dann müssen die Kinder in der AG den Text vorlesen. Vielleicht kann der eine oder andere später einmal Reden auf Plattdeutsch halten wie Ehrenlandrat Martin Döscher oder sabbeln und singen wie Ina Müller. Behilflich sein kann dabei vielleicht auch der Plattdeutsch-Kursus der NORDSEE-ZEITUNG (siehe auch unten).

Aussagen über Platt
Helmut Schmidt, Ex-Bundeskanzler: „Das Niederdeutsche ist ein Teil unserer Kultur mit eigenständiger Prosa und Poesie. Schon aus diesem Grunde sollte es gepflegt werden. Vielleicht sollten wir nicht nur Naturschutz und Denkmalpflege betreiben, sondern auch Sprachschutz.“

Johann Wolfgang von Goethe, Dichter: Die niederdeutsche Sprache spricht noch geradezu und sagt, was sie meint. Entbehrt sie der Übung in der Abstraktion, so hat sie dafür sinnliche Sicherheit, die nicht zweifelt an dem, was die Augen sehen und die Hände fassen.“

Kurt Tucholsky, Schriftsteller und Journalist: „Manchem erscheint die niederdeutsche Sprache grob, und sie mögen sie nicht. Ich habe diese Sprache immer geliebt. Das Plattdeutsche kann alles sein: zart und grob, humorvoll und herzlich, klar und nüchtern.“

Quelle:  

  Ob jemand auch noch andere Dialekte hat zum veröffentlichen ? z.B. Schweiz, Österreich, Luxemburg oder wo noch sonst ein deutscher Dialekt gesprochen wird.