Koelsch fuer Imis

Ajuja:
Ausruf der Freude.„Jitz jeit et widder Ajuja“ heißt soviel wie „jetzt geht der Karneval los.“

Ähzezupp:
Erbsensuppe gibt es zu Karneval bei vielen Veranstaltungen – als gute Grundlage für die nachfolgenden Getränke, und sie wärmt.

Alaaf:
Hochruf auf Al-Ersch, seit 1933 nachweisbar. Wer in Al-Ersch „Helau“ ruft, hat es mit allen verdorben. Hier gilt nur das „Alaaf“.

Baas:
Scherzhaft für Chef oder Meister.Viele Karnevalsgesellschaften haben einen Baas in ihren Reihen, Baas vom Senat, Baas von großen Rat oder einfach Baas der Gesellschaft.

Baselemänes:
kommt aus dem Französischen („Baiser-Les-mains“ – Handkuss) und bezeichnet jemanden, der übertrieben höflich ist – vor allem dem weiblichen Geschlecht gegenüber.

Beschummele:
Übervorteilen bei Kleinigkeiten

Bibi:
Runder, steifer Hut, Melone. Eine beliebige Kopfbedeckung im Karneval.

Blotwoosch:
Blutwurst oder auch Flönz. Sehr beliebt in Köln, aber ein sehr schwer auszusprechendes Wort.

Büdchen:
Kiosk, sehr wichtig für den Kölner. Hier gibt es nicht nur Zeitungen, Zigaretten und Süßigkeiten, sondern auch den neuesten Klatsch. In Al-Ersch haben wir kein Büdchen, aber Klatsch, den haben wir auch.

Bützje:
Küßchen, gibt im Karneval jeder jedem, den er irgendwie kennt oder auch nicht. Ein Bützchen ist nur freundschaftlich gemeint und wird auf die Wange oder den Mund gegeben. Jebützt wird nur in der Öffentlichkeit.

Decke Trumm:
Wenn der Kölner sie hört, hält ihn nichts mehr in seiner Wohnung. Ohne decke Trumm (Trommel) wäre der Karneval nicht denkbar.

Doosch:
Durst hat man, und in Al-Ersch hat man ihn immer, aber nur auf Kölsch.

Fastelovend:
sagt der Al-Erscher zum Karneval. Auf keinen Fall darf man in Al-Ersch Fasching sagen, auch wenn es der Prinzessin auf der Zunge liegt. Das kommt schon einem Vergehen gleich.

Finsternöll:
ist eine kleine heimliche Liebelei. Ein Fastelovends-Fisternöll ist am Aschermittwoch vorbei.

Föttche:
bezeichnet das Hinterteil am Menschen

Föttchesföhler:
ist ein gegenüber Frauen aufdringlicher Mann

Halver Hahn:
hat nichts mit einem halben Hähnchen gemeinsam. Gemeint ist ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit mittelaltem Hlländer. Es gibt ihn in jeder Kneipe.

Hätz:
Das Al-Erscher Hätz ist so ziemlich bei allem, was man macht. Im Karneval läuft das Hätz über vor Glück. Die Denkweise der Al-Erscher ist vom Hätz geprägt, und alles Positive kommt aus dem „Hätzekülche“ (Herzgrübchen).

Imi:
ist kein gebürtiger Al-Erscher. Jeder echte Al-Erscher erkennt ihn sofort. Nach einigen Gläsern Kölsch steht einer Verbrüderung in den meisten Fällen nichts mehr im Wege

Jeck:
Jeck sein ist in Al-Ersch nichts Anrüchiges. Im Karneval sind alle mehr oder weniger jeck. Auch in der übrigen Zeit gehört das Wort zur Umgangssprache. Man kann auf alles jeck sein, auf Al-Ersch, auf Urlaub, auf Sport.

Jeck loss Jeck elangs:
bezeichnet die rheinische Toleranz, die wie selbstverständlich die eigene wie die andere Narrheit akzeptiert.

Jözenich:
Der Gürzenich ist das alte Kölner Ballhaus, in dem unter anderem die Prinzenproklamation und die Fernsehsitzungen stattfinden.

Kamelle:
Karamellen. Im Rosenmontagszug ein Sammelbegriff für alle Süßigkeiten, die geworfen werden.

Klävbotz:
Einer, der kein Ende finden kann. Ein Gast, der immer als letzter in der Kneipe sitzt.

Klüngel:
Amtliche Dinge bei einem Kölsch an der Theke auf unbürokratische Art regeln. Ausspruch von Norbert Herkenrath: „Kölscher Klüngel, das ist unbürokratische Kreativität unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Wohle der Allgemeinheit.“

Knabbüss:
Gewehr der Funken, das zum Zeichen der friedlichen Absicht ein Blumensträußchen im Mündungsloch trägt.

Knies:
Streit, der meist schnell vorübergeht und nie gewalttätig ist. Knies im Karneval gibt es öfters, eine Versöhnung ist aber immer absehbar.

Kniesbüggel:
Geizhals – sollte man nie am Rosenmontag rufen, da alle Teilnehmer ihr Wurfmaterial aus eigener Tasche bezahlen.

Knöllchen:
Ein Al-Erscher bekommt kein Protokoll, das bekommen nur die Fremden, er bekommt ein Knöllchen.

Knubbel:
Beule, Menschenansammlung.

Knüppelchensjung:
Trommler – die Jungen, die mit ihren Knüppelchen (Stöckchen) die Trommel schlagen.

Köbes:
gehört zum Inventar jeder kölschen Kneipe. Ruft man ihn „Herr Ober“, überhört er es. Er trägt ein blaues Hemd und eine blaue Leinenschürze. Der Köbes ersetzt unaufgefordert jedes leere Kölschglas durch ein volles. Er duzt alle Gäste und behält auch im größten Trubel die Nerven.

Kölsch:
ist Bier, Sprach und Gesinnung für den Kölner.

Kölsche Kaviar:
gibt es in jeder kölschen Kneipe. Es ist Blutwurst vom Kranz mit Zwiebelringen und senf.

Kopping:
Kopfschmerzen. Wenn der Al-Erscher morgens mit Kopping aufwacht, weiß er, dass das letzte Glas Kölsch am Abend schlecht gewesen sein muss.

Kranz:
Werkzeug des Köbes, ein Tragegestell für Kölschgläser. wenn man in größerer Runde zusammensitzt, bestellt man „ne Kranz Kölsch“.

Mädche:
Liebevolle Bezeichnung für alle Frauen, egal, wie alt sie sind.

Muuzemändelche:
Karnevalsgebäck in Mandelform, in Öl gebacken.

Muuze:
Karnevalsgebäck; ausgerollter Teig in Öl gebacken.

Nohdoosch:
Nachdurst nach durchzechter Nacht.

Pänz:
Eine liebevolle Bezeichnung für Kinder. Panu (Singular) ist meistens ein ungezogenes Kind.

Pittermännche:
ist ein kleines Fässchen Kölsch. Es ist sehr beliebt bei Feiern zu Hause und im Schrebergarten, denn der Kölner trinkt in Gesellschaft nicht gerne Flaschenbier. Wir aber!

Quetschebüggel:
Akkordeon – sehr beliebt im Karneval, da die Musik zum Mitsingen auffordert.

Rhing:
Kein anderer Fluss oder Strom wird so viel und so leidenschaftlich besungen wie der Rhein.

Rievkooche:
Reibekuchen – müssen aus frischen Kartoffeln zubereitet werden. Rievkooche sind so etwas wie ein Kölner Nationalgericht. Am besten schmecken die an der „Rievkoochebud“.

Rusemondaach:
Rosenmontag – Hauptfeiertag im Karneval.

Schabau:
Klarer Schnaps, Korn.

Schäl Sick:
Rechte Rheinseite. Früher wurde der Ausdruck im linksrheinischen abwertend gebraucht, heute ist er fast nur noch ein Unterschiedsmerkmal.

Schänge:
Schimpfen, das tun aber immer nur die anderen.

Schmecklecker:
bezeichnet einen Mann, der die weiblichen Reiz offensichtlich genießt

Schnüss:
Mund – de Schnüß schwade heißt ohne tieferen Sinn reden. Ein „Schnüßje“ ist zum Bützen da.

Spillmannszoch:
Musikzug – trifft man im Karneval überall an. Er verbreitet Stimmung auf den Straßen und in den Sälen.

Stöötz:
Großartiger Blödsinn, wird auf der Karnevalsbühne geboten.

Strüssjer:
Karnevalssträußchen, die das Prinzenpaar beim Einmarsch in den Saal wirft.

Trötemann:
Trompeter – unerlässlich bei Karneval, Kirmes und Schützenfesten. Ganz allgemein jeder, der ein Blasinstrument spielt.

Tünnes un Schäl:
Kölsche Witzfiguren. Tünnes ist der Unverfälschte, der in sich selber ruht. Er ist gutmütig, harmlos, witzig und arbeitsscheu.
Schäl ist ein Schlitzohr, clever und manchmal boshaft. Er ist der listige und verschlagene Spötter. Beide gehören unzertrennlich zusammen.

Verzäll:
Nicht ernst zu nehmendes Gerede, z. B. an der Theke.

Weetschaff:
Wirtschaft. Der Kölner hat seine Stammkneipe an der Ecke, d.h. er kann sie zu Fuß erreichen. In Köln spielt sich das Leben in der Wirtschaft an der Theke ab.

Wieverfastelovend:
Weiberfastnacht ist der Tag der Frauen. An diesem Tag wird der Straßenkarneval eröffnet.

Quelle: http://www.al-ersch.de/Imis/imis.html

Darf gerne ergaenzt werden um weitere Worte.

Encuentro del Stammtisch todos los viernes / Stammtischtreffen jeden Freitag - 17:30 - Primacy Apart Hotel , Santa Fe 2464, Mar del Plata

Stammtisch – ein kreativer Ort

Deutsche Stimmen, Wörter, Worte (VI)

Ein Stammtisch ist sowohl eine Gruppe von mehreren Personen, die sich regelmäßig in einem Lokal trifft, als auch der (meist größere und oft runde) Tisch, um den sich diese Gruppe versammelt. Stammtische sind nicht organisierte Treffen und daher nur ein freiwilliger, aber doch verbindlicher Zusammenschluss von Teilnehmern.

Der Tisch wird traditionell durch ein mehr oder weniger aufwendig geformtes Schild gekennzeichnet und ist damit für die Stammtischrunde reserviert, die sich in regelmäßigen Abständen dort trifft. Im Mittelpunkt einer solchen Stammtischrunde stehen das gesellige Zusammensein, Kartenspiel und oft auch politische oder philosophische Diskussionen.

 Ein kreativer Ort

Eine der mächtigsten meinungsbildenden Institutionen in Deutschland ist aus dunkel gebeizter Eiche gefertigt und mit Bierdeckeln gepflastert: der Stammtisch, ein Tisch in einer Kneipe, der für die häufig einflussreichen Stammgäste reserviert ist.

Den größten Einfluss haben die Stammtische auf dem Land, in den Dörfern, in denen die Kneipe immer noch im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens steht. Hier sitzen üblicherweise der Bürgermeister, der Förster, der Apotheker – selbst zu Zeiten Wilhelm Buschs saß in dessen Bildergeschichten ein „Herr Apotheker Pille“ am Stammtisch – und der Besitzer einer Baufirma am Sonntag nach der Kirche beim „Frühschoppen“ und mindestens an einem Abend unter der Woche zusammen, um Karten zu spielen und die Angelegenheiten des Dorfes zu besprechen. Ihr Tisch ist mit einem Metallzeichen mit der Aufschrift „Stammtisch“ reserviert, das manchmal an den mittlerweile überflüssigen Aschenbecher gelötet war und ahnungslosen Gästen signalisiert, sich lieber woanders hinzusetzen. Hier wird das jährliche Dorffest geplant, hier werden die finanziellen und sportlichen Probleme des örtlichen Fußballvereins analysiert. Diese Besprechungen sind größtenteils Männersache, doch haben auch Frauen oft einen eigenen Stammtisch. In den Städten treffen sie sich immer mittwochs in dem sicheren Wissen, dass ihre Männer vorm Fernseher gebannt die Fußballspiele der Champions League verfolgen.

Doch geht die Diskussion gewöhnlich irgendwann über lokale Belange hinaus und wendet sich der Politik auf nationaler Ebene zu, und die am Stammtisch vertretenen Ansichten breiten sich später in den Gemeinden aus. Die Sozialdemokraten vermuten, dass der traditionelle Stammtisch eine höchstkonservative Angelegenheit sei und man sich dort immer für eine strengere Durchsetzung von Recht und Ordnung (an den Stammtischen in den Dörfern ist manchmal auch der Leiter der örtlichen Polizeistation vertreten), starke Politiker und gegen Einwanderer aussprechen werde.

Meine Erfahrungen mit Stammtischen im Rheinland und in Berlin können dieses Urteil nicht bestätigen. Dieser Tisch in der Ecke der Kneipe (immer die wärmste Ecke, niemals in der Nähe der Toilette) kann ein kreativer Ort sein, wo mit Ideen gespielt wird, bevor diese offiziell auf die politische Agenda der Gemeinde gesetzt werden. Vielleicht diskutieren der Arzt und der Apotheker zwischen zwei Skatrunden darüber, wie sie Rheumapatienten in ihrem Stadtteil helfen können, klagen über die Mängel der nationalen Gesundheitsreform oder überreden gemeinsam jemanden vom Rathaus, eine AIDS-Aufklärungswoche durchzuführen. Vielleicht sitzt jemand vom Vermessungsamt mit einem Geschäftsmann am Tisch, und die beiden tauschen Ideen aus, wie man den Müll der Stadt entsorgen könnte, unterhalten sich über die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt oder die neuen Vorschläge der Regierung zur Unternehmenssteuer.

Grundsätzlich gilt, dass man am Stammtisch offen reden kann, und daher wirkt er sich fast immer positiv auf das Gemeindeleben aus und umgeht bürokratische Hürden.

Meinungsschmieden an der Basis

Heute bestimmen Stammtischrunden in Düsseldorf und Köln die politische Ausrichtung des Karnevals, lange bevor darüber in den einer breiteren Öffentlichkeit zugänglichen Karnevalsvereinen diskutiert wird. Das ist gar nicht so unbedeutend. Kann man, sollte man sich auf einem Festzugswagen über den Islam lustig machen? Kann man während des Festzuges – bei dem normalerweise deutsche Führungspersönlichkeiten auf die Schippe genommen werden – Barack Obama parodieren, ohne als Rassist zu gelten? Für den Außenstehenden mögen die Stammtisch-Trinker (Es muss nicht Bier oder gar Wein sein: Ich war bei einem Stammtisch, bei dem wir nur Cola getrunken haben.) politische Laien sein. Doch zeichnen sich diese Meinungsschmieden an der Basis häufig durch ein hohes Politikverständnis aus. Und nur, weil es sich um pragmatische Menschen handelt, bedeutet das nicht, dass sie sich Veränderungen widersetzen. Man muss sich nur daran erinnern, dass einer der bedeutendsten Stammtische in der Vergangenheit der sogenannte „Verbrechertisch“ war, der die ehemaligen Revolutionäre von 1848 in Leipzig vereinte, und dass Karl Marx und Friedrich Engels vor 1848 dem Berliner Stammtisch „Die Freien“ angehörten.

Soziologen reden davon, dass das Internet, Blogs und Twitter das Wahlverhalten der Menschen zunehmend beeinflusse. Sie fragen sich, wie es den politischen Parteien jemals gelingen soll, diese neuen Methoden der Verbreitung politisch relevanter Informationen in ihre Arbeitsweise einzubeziehen. Aber natürlich gab es den Stammtisch lange schon vor den Chaträumen im Internet. Doch für den durchschnittlichen Politiker ist er nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Die Routinebesuche von Delegationen aus der Provinz im Parlament werden von den Politikern in den meisten Ländern als lästige Pflicht angesehen. Nicht so in Deutschland, denn die Parlamentarier wollen unbedingt in Erfahrung bringen, was an den Stammtischen besprochen wird. Was bewegt den Wähler an der Basis? Blogs und Chaträume geben nur über einen kleinen Ausschnitt der Bevölkerung Auskunft. Der Stammtisch in den Kleinstädten und Dörfern Deutschlands repräsentiert hingegen einen bedeutenden Teil der Wählerschaft.

Da die Politiker die Augen und Ohren nicht in jeder Kneipe haben können, sind sie häufig auf Spekulationen angewiesen. Wenn sie die Meinungsmacher an der Basis direkt erreichen wollen, geben die Politiker Interviews oder sorgen dafür, dass sie in der Boulevardpresse auftauchen. Das ist ein sicheres Mittel, um ihre politischen Botschaften direkt an die Menschen in den Kneipen zu vermitteln und erklärt die Macht einer Zeitung wie BILD, die sich einer Leserschaft von rund 12 Millionen erfreut. Doch ist es den Politikern nach wie vor ein Rätsel, welchen Einfluss sie wirklich haben. Geben sie den Ton an oder gehen sie am Wesentlichen vorbei?

Wichtiges Barometer

Die Wochenzeitschrift Die Zeit suchte kürzlich mehrere Stammtische in Deutschland auf, und zumindest manche ihrer Entdeckungen stimmen mit meinen Beobachtungen in meiner Berliner Stammkneipe überein. Kajo Wasserhövel, der Wahlkampfmanager der Sozialdemokraten, sagte voraus, dass die von der Wirtschaftskrise verunsicherten Menschen den Staat als Retter sehen wollten. So bestätigten es auch die Meinungsforscher. „Er lag falsch“, schrieb die Zeit. Die Europawahl im Juni 2009 schien zu zeigen, dass die Deutschen lieber weniger als mehr Staat möchten, doch drang diese Erkenntnis irgendwie nicht zu den Medien durch. „Wahlentscheidend ist das persönliche Gespräch“, sagte Wasserhövel der Zeit. „In der Familie, unter Freunden. Und am Stammtisch.“ (Die Zeit, 6. August 2009). In Anbetracht der langen historischen Tradition des Stammtisches ist es vielleicht nicht überraschend, dass man dem zunehmenden Eingreifen des Staates in die Gesellschaft mit Skepsis begegnet. Und gewiss waren die meisten Mitglieder meiner Berliner Stammtischrunde unter dem maßgeblichen Einfluss eines Autohändlers mit dem Spitznamen „Auto-Peter“ gegen die Rettung von Opel und glaubten, dass die Amerikaner General Motors zu Recht fallen gelassen hätten.

Der Stammtisch hat ein langes Gedächtnis: So gilt die Erhöhung der Mehrwertsteuer beispielsweise immer noch als einer der Kardinalfehler der Großen Koalition. Wird die nächste Bundestagswahl in Deutschland durch die Fernsehduelle führender Politiker oder die subtile Einflussnahme der in den Kneipen in deutschen Kleinstädten gebildeten Meinungen entschieden? Arbeitslose, junge Männer und Frauen, türkischstämmige Deutsche: Sie alle sind am Stammtisch kaum vertreten (und werden auch häufig von professionellen Meinungsforschern falsch eingeschätzt). Der Stammtisch spricht nicht für alle. Aber er ist ein wichtiges Barometer.

Nicht zum ersten Mal liegt der Rat des Verfassers der Kolumne „Typisch deutsch” auf der Hand: Will man die Gesellschaft verstehen, begebe man sich in eine Kneipe, kaufe sich ein Bier und halte die Ohren offen. Nun rate ich Politikern dasselbe, wenn sie sich in ihren ehrenwerten Ämtern behaupten wollen.

Roger Boyes
Deutschland-Korrespondent der britischen Tageszeitung „The Times“