Hornero Ofenvogel

hornero Töpfervogelin deutscher Übertragung von Carlos Haller.

Geboren am 13. Juni 1874, Leopoldo Lugones war einer der bedeutendsten Dichtern und Schriftstellern aus Argentinien. Anfangs dichtete er in der geistigen Athmosphäre des modernismus, auch teilweise unter dem Einfluss von Rubén Darío. Um 1910, zur ersten Jahrhundertsfeier des Anfangs argentinischer Selbständigkeit, wurde er patriotisch begeistert und später faschistisch angehaucht. Erst besang er die goldenen Versprechungen des Ackerbaus und des Exporthandels. Bald darauf folgten hochwertige Liebes- und Hausgedichte, ausgezeichnete Erzählungen und Geschichtsversuche, bis er zuletzt auf sehr schlichte Weise seine Vorliebe zur Volksdichtung bewies. Dies geschah besonders mit den Romances del Río Seco, worin die Landschaft und die Lebewesen des argentinischen Innenlandes zur Geltung kamen. Lugones begang Selbstmord am 18. Februar 1938.Leopoldo Lugones

Einer seiner Romances hat den südamerikanischen Lehmtöpfer zum Gegenstand, der in Argentinien meist Hornero, also „Ofenvogel“ benannt wird, wegen der Form seines Nestes. Die einfache und zugleich bezaubernde Schilderung jenes Vogels in gleichnamigem Gedicht verdient durchdacht zu werden. Als Schulkinder konnten wir es auswendig… (-ob dies heute noch zutrifft?). Zum ersten Mal kommt mir die Idee, es zu übersetzen, obwohl der Versuch schon per definitionem zum scheitern verurteilt ist. Jeder Satz, jede Sprachwendung, jedes Wort eines Gedichtes sind einmalig, zugleich Mittel und Bausteine eines Gefüges dem sie unumtauschbar angehören. Sei also dieser Versuch – wie mancher andere – nur als eine Übung im Deutschlernen zu verstehen. Vielleicht auch als Vorwand, um ein Paar Bilder und eine persönliche Erinnerung zu vermitteln. Ohne die Zierde des Originals, seines Rythmus und seiner Reime beraubt, gibt die Version höchstens eine blasse Vorstellung vom lugonischen Dichtungstalent .- kalais

horneros pareja ToepfervogelDer Töpfervogel – El hornero [übertragen aus einer Dichtung von Leopoldo Lugones]

Töpfers Häuschen hat ein Schlaf- und ein Vorderzimmer. Sein Weibchen richtet gerade das ganze Nest im Schlafzimmer ein. Im Vorderraum steht das Männlein sehr stolz als Türhüter , mit seinem halbgeöffneten Hemd überm vollen Kropf. Seine einfache und ziemlich abgenutzte Arbeitsweste, die womöglich vom Backsteinkneten etwas rotbraun wurde, trägt er immer adrett.

Wie ein wahrer Künstler sucht er sich den Ast einer alten Weide aus, oder spielt den Telegraphisten auf einem säuselnden Telegrafenmast. Und dort, wenn der Lehm noch weich ist, singt er aus ehrlichster Freude. Wie gerne wäre ich Töpfer, um im Singen mein Häuschen zu bauen!

Es gelingt ihm alles aufs beste, und so, mit aufrichtigem Eifer, schafft er und erblickt den Himmel im feuchten Spiegel seines Lehms. Von außen gesehen wächst der Bau wie ein Kopf; im Innern ähnelt er einem genügsamen und guten Herzen.

Und da dieses Haus der Kern seiner Wünsche und seines Fleißes ist, erdenkt er sich‘s aus dem Kopfe und trägt sein Herz hinein. Er baut es aus Heu und Lehm, sorgfältig zimmert er’s aus, denn mit dem Lehm und dem Heu ist er ein wundersamer Architekt.

Nun hat Töpfers Häuschen einen Vorraum und’nen Schlafraum. Lässt sich auch kein Besen finden, wird’s gewissenhaft gesäubert. Töpfer bringt sein Werk zu ende; mit einem letzten Handgriff bleibt die Außenwand ganz rau, schützend gegen Frost und Sommerschwüle.

Schon schaut er sich’s im Rundflug an, dann auf flachem Boden stampft er kräftig und mit Schwung die Erde glatt, als wäre er ein Hämmerlein. Frische Luft kommt in die Hütte, indessen die Hausfrau auch hineinfliegt; hier beweist sie durch aufmerkende Eleganz ihren bescheidenen Charme.

Und sobald sie, fröhlich und heiter, alles nach ihrem Wunsch eingerichtet hat, schmückt sie die Wohnung mit dem kristallenem Geschirr ihres Trillern“.

Leopoldo Lugones

-o-o-o-

hornero,  im LehmnestDer Hornero ist in großen Gegenden Argentiniens, Uruguays, Brasiliens und Paraguays zu finden. Drei Untergattungen dieses Vogels können festgestellt werden auf der Pampa, in den Dörfern und auch in Städten. Er wird um die 17 bis 19 cm lang, die Federn sind meistens braun oder rotbräunlich, auf der Kehle zeichnet sich ein weisser Fleck. Wo immer der Mensch seinen Rancho baut oder Wohngemeinschaften bildet, ist der Hornero ein willkommener und beweglicher Begleiter. Er frisst Insekten und Samen. Er baut sehr geschickt ein gerundetes Nest aus Lehm und Wasser, mit Grashalmen und manchmal Steinchen beigemischt, das ca 22 cm breit wird und bis zu 5 kg wiegen kann. Weibchen und Männchen bauen es zusammen auf einem Ast, auf einer „tranquera“ (rustikales Tor im Lande) oder auf der Spitze eines Zaun-. Brunnen- bzw. Telegraphenposten. Dieses Nest sieht einem Backofen ähnlich, und daher der Name des Vogels (hornero= Ofenbauer). Doch ist es kein hohler Raum, sondern wird immer schneckenformig in zwei Räume engeteilt: der vordere, eine Art Vorzimmer (sala), und das Wohn-und Brütezimmer (alcoba) wo das eigentliche „Nest“ aus Federn, Faden, Heuhalmen zusammengetragen und ausgepolstert wird.

hornero, ZiegelbrennerWir Kinder und die Ziegelbrenner: Als des Kind noch Kind war… wohnte es in einem winzigen Landdorf namens Ezpeleta. Genau wie bei anderen Dörfern der bonaerenser Pampa, sah man auch dort die „ladrilleros“, Beruf oder Gelegenheitsjob den wir mit der Tätigkeit des Vogels „hornero“ in engen Bezug brachten. Sie kneteten mit Füßen und Händen Erde und Kreide, gemischt mit Wasser und Grashalmen. Dann wurde diese Teigmasse sorgfältig in hölzerne Rahmen gepresst, diese sehr nahe aber streng gesondert auf der Erdoberfläche verbreitet und so einige Tage in der Sonne oder im Wind getrocknet. Erst wenn sie genügend trocken waren, kamen sie in einem rustikalen Backsteinofen zum endgültigen backen. Jeder dieser Runden der Ziegelproduktion erforderte – wetterbedingt – manchmal circa 2 Wochen Arbeit.

Während so die Ziegel langsam gebacken wurden, sahen wir dichte weisse Rauchwolken aus den Öfen herausdringen, die sich frühmorgens in der kühlen und feuchten Luft über Felder und Häuser ausbreiteten. Deren eigenartiger Geruch drang durch Türen und Fenster in die Wohnungen, wo er sich mit dem wohltuenden Aroma des Kaffees verschmelzte, den Mutti uns vor der Schule in dem hungrigen Bauch mitgab. So war es damals in jenem „Niemandsland“, das unser Dorf Ezpeleta fünf Kilometer über den Giménez-Bach von der Nachbarstadt trennte, der wir keineswegs angehören wollten.

Diese Erinnerung will des Fleißes jener Ziegelarbeiter und meiner nicht minder arbeitsamen Mutter gedenken. Ich schrieb sie zur ersten Stunde des in Argentinien allgemein gefeierten „Muttertages“, am Sonntag den 19. Oktober 2014.- Carlos Haller (Kalais, wie mich damals viele nannten).-

[Das Original dieses übersetzten Textes steht lesebereit in : http://hanalfablog.blogspot.com.ar/2014_10_18_archive.html ]

Encuentro del Stammtisch todos los viernes / Stammtischtreffen jeden Freitag - 17:30 - Primacy Apart Hotel , Santa Fe 2464, Mar del Plata

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.